DFA Workflow – vom Scannen zum reproduzierten Kunstwerk
Die vier Hauptschritte bei der Erzeugung eines Giclée-Drucks auf Hahnemühle-Papieren sind:
1. Kunstwerk erzeugen
2. Scannen
3. Bild bearbeiten
4. Drucken
Dazwischen liegen noch weitere Schritte, die beachtet werden müssen, wie zum Beispiel das beste Verfahren zur Erfassung des Bildes, die Art und Weise der Anpassung des digitalisierten Bildes, nachdem es sich auf dem Computer befindet, die Verwendung von Bildbearbeitungs-programmen wie etwa Photoshop, und das Farbmanagement, um die Kopie dem Original so ähnlich wie möglich zu machen. Ob Sie Herausgeber, Künstler oder Fotograf sind, oder eine Reproduktion herstellen möchten, die archiviert werden soll – wenn Sie beabsichtigen, Giclée-Drucke zu erzeugen, benötigen Sie die folgende Grundausrüstung:
1. Scanner oder digitale Kamera
2. Computer - PC oder Mac
3. Tintenstrahldrucker
4. Digital FineArt-Papiere von Hahnemühle
Kunstwerk
- Nehmen Sie Ihr Original-Kunstwerk:
Aquarell, Öl, Acryl, Seidenmalerei, Pastell, Bleistift, Tuschezeichnung, Kupferstich, Bildschirm-ausdruck, Fotografie oder digital erzeugtes Kunstwerk, Textilien oder jede andere zweidimen-sionale Arbeit.
- Bereiten Sie sich auf das Abfotografieren oder Scannen vor, indem Sie:
• Pastellzeichnungen fixieren
• Sicherstellen, dass Öl- und Acrylgemälde vollständig trocken sind.
• Falls möglich alle Rahmen und Befestigungen entfernen.
• Das Copyright überprüfen, falls es sich nicht um Ihre eigene Arbeit handelt, umsicherzugehen, dass eine legale Reproduktion der Arbeit möglich ist.
Scanner
Jedes Kunstwerk, das flach ist, kann auch gescannt werden.
- Die beste Vorgehensweise besteht stets darin, wann immer möglich vom Original-Kunstwerk zu scannen.
- Ist das Kunstwerk jedoch zu groß für Ihren Flachbettscanner, so gibt es noch eine Reihe anderer Möglichkeiten für die Digitalisierung Ihres Kunstwerks:
• Bringen Sie Ihre Arbeit in ein professionelles Fotolabor oder ein Büro für Repro-Drucke. Dort scannt man Ihr Bild für Sie ein und speichert es auf CD (Hahnemühle arbeitet mit mehreren Büros zusammen, die diesen Service anbieten. Bitte wenden Sie sich für Einzelheiten an uns).
• Wenn Ihre Arbeit stark strukturiert ist oder wenn Sie das Abbild einer dreidimensionalen Struktur oder Skulptur reproduzieren möchten, so werden Sie um ein professionelles Fotografieren oder das Scannen mit einem Scanback nicht herumkommen.
- Denken Sie schon bei der Erzeugung des Kunstwerks darüber nach, ob Sie es später digital erfassen möchten und berücksichtigen Sie dies bei Ihrer Entscheidung in bezug auf das Format und die Größe.
Scannerarten:
Flachbettscanner – Scans vom Original-Kunstwerk oder einer Fotografie. Einige Modelle sind mit einem Dia-Adapter ausgestattet, womit Dias oder Negative bis zu einer Größe von 5 x 4 Zoll eingescannt werden können.
Filmscanner – Nur für den Scan von Filmen oder Dias.
Professioneller Scanner - Grundsätzlich das gleiche wie ein standardmäßiger Flachbettscanner, aber für gewöhnlich in der Lage, Scans bis zu einer Größe von A3 vom Original und von Dias in erheblich höheren Scan-Auflösungen zu liefern.
Trommelscanner – Stellt Ergebnisse von extrem hoher Qualität zur Verfügung, erfordert aber eine in hohem Maße erfahrene Bedienung. Nicht für Original-Kunstwerke geeignet, sondern nur für Filme.
Digitalkamera – Das Bild wird als digitale Bilddatei erfasst, wobei keine Zwischenbearbeitung durchgeführt wird. Das Bild kann direkt auf den Computer herunter geladen werden.
Scanback – Bietet all die Vorteile einer Digitalkamera, wobei es sich jedoch hierbei um eine digitale Bilderfassung in Profiqualität handelt. Der Scanback wird auf die Rückseite von Großformatkameras aufgesetzt und der Scan erfolgt direkt in ein Computer-Interface. Hierfür ist die Ausrüstung eines Fotostudios erforderlich.
- Des weiteren ist es wichtig, beim Scannen ein Verständnis über die Auflösung des gescannten Bildes zu entwickeln. Je höher die Auflösung eines eingescannten Bildes ist, desto mehr Informationen sind darin enthalten. Die Bildauflösung wird in ‚dpi’, was für ‚Dots per Inch’ oder ‚Punkte pro Zoll’ steht, gemessen. Die Punkte beziehen sich dabei auf die Pixel, aus denen das Bild besteht. Beispielsweise bedeutet eine Auflösung von 150 dpi, dass in jedem Zoll des Bildes 22500 Pixel enthalten sind.
Wenn Sie beim Scannen die folgende Faustregeln befolgen, so werden Sie Ergebnisse in einer ausreichend hohen Qualität erhalten, um Ihnen ein erfolgreiches Ausdrucken zu ermöglichen.
- Wenn Sie ein Bild einscannen und einen Ausdruck in der gleichen Größe erzeugen möchten – wählen Sie beim Scannen eine Auflösung von 300 dpi (z. B. wenn Ihr Original im Format A4 ist und Sie möchten es später auch im Format A4 drucken = Scanauflösung 300 dpi)
- Um das Bild in der doppelten Größe auszudrucken - wählen Sie beim Scannen eine Auflösung von 600 dpi, und so weiter. Verdoppeln Sie also relativ zur Größe des Originals die Scanauflösung. (Wenn Ihr Original also z. B. A4 ist und Sie möchten es im Format A3 ausdrucken = Scanauflösung 600 dpi.)
- Das gleiche gilt auch für Kunstwerke, die am Computer erzeugt wurden. Stellen Sie also vor der Erzeugung neuer Arbeiten stets sicher, dass Sie eine Auflösung von mindestens 300 dpi wählen.
- Denken Sie daran: Es spielt keine Rolle, wie gut die Qualität des Druckers ist, wenn Sie nicht bereits zu Beginn genug Informationen erfasst haben – das Bild wird später immer pixelig erscheinen.
- Wenn Sie ein Dia im 35 mm oder 5 x 4 Zoll-Format einscannen, berücksichtigen Sie, dass Sie die Bildgröße erheblich erhöhen. Stellen Sie also Ihre Scanauflösung dementsprechend hoch ein.
Bildbearbeitung und Farbmanagement
- Öffnen Sie Ihr eingescanntes Kunstwerk in einem Bildbearbeitungsprogramm auf Ihrem Computer.
- Diese Art von Programmen ermöglicht es Ihnen, das Bild durch Funktionen wie beispiels-weise Beschneiden, Drehen, Größe ändern, Text hinzufügen, Kontrast und Farbbalance ändern, „aufzuräumen".
- Wenn Sie mit einem guten Scan arbeiten, dürfte das einzige,was noch nötig ist, das Beschneiden der Kanten des gescannten Bildes sein. *Tipp: Zu diesem Zeitpunkt bietet es sich an, das Bild einmal auszudrucken. So erhalten Sie einen Eindruck von dem späteren Ergebnis, da das Bild auf dem Monitor nicht immer eine farbtreue Darstellung des Ausdrucks ist. Dies ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass verschiedene Drucker und Druckertinten verschiedene Farbbereiche (oder Gamut) verwenden.
- Anschließend können Sie die Farben oder den Kontrast entsprechend anpassen, um im weiteren Verlauf ein Proof des Bildes herzustellen.
- Bei allen Scannern erfolgt der Scan im RGB-Modus, und für den Tintenstrahldruck ist es am besten, diesen Farbmodus beizubehalten, da er über einen größeren Farbbereich verfügt. Den CMYK-Farbraum verwenden Sie nur dann, wenn Sie Bilder für die Reproduktion auf einer Druckerpresse mit einem Vierfarb-Offset-Lithodruck einrichten, d. h. für Magazine oder Bücher.
Große Formate - Rollengrößen bis zu 44 Zoll
- Wenn Sie einen Großformatdrucker verwenden, werden Sie wahrscheinlich mehr als nur ein Bild auf einmal drucken und somit eine Art von RIP-Software (RIP – Raster Image Processor = Raster-Bildprozessor) einsetzen.
Der Einsatz einer RIP-Software bietet die folgenden Vorteile:
- Für die Papiere und Tinten, die Sie benutzen, steht Ihnen durch eingebaute Farbprofile ein präziseres Farbmanagement zur Verfügung.
- Um ein wirtschaftliches Bedrucken des Papiers zu ermöglichen, ordnet eine RIPSoftware alle Bilder, die Sie ausdrucken möchten, automatisch so auf der Rolle an, dass die Papierkapazität optimal ausgenutzt wird.
- Da eine RIP-Software normalerweise auf einer separaten Workstation läuft, wird Speicherplatz auf Ihrem Hauptcomputer freigegeben und somit Zeit eingespart.
- Die meisten Großformatdrucker sind in der Lage, alle unsere Papier- und Kartongewichte zur verarbeiten. Überprüfen Sie auch die Kerngröße Ihres Rollenhalters, da viele unserer Rollengrößen standardmäßig mit einem 3 Zoll-Kern ausgestattet sind.
Medienauswahl
Welches Hahnemühle-Papier sollten Sie nun verwenden? Der Vorteil eines beschichteten Aquarellpapiers besteht darin, dass die Tinte nicht wie bei einem Künstlerpapier in die hochgradig absorbierende Oberfläche eindringt. Die Beschichtung ermöglicht es der Tinte, auf der Oberfläche zu verbleiben, wodurch ein Verlaufen der Tinte verhindert wird und die Farb- und Auflösungsqualität erhalten bleibt. Natürlich spielt dabei der persönliche Geschmack eine große Rolle; allerdings sind einige Papiere für bestimmte Arbeiten besser geeignet als andere. Das Photo Rag-Papier beispielsweise unterstützt die detaillierten und kontinuierlichen Farbtöne von Fotografien oder computergenerierten Werken. German Etching bietet eine seidenmatte Oberfläche, jedoch mit einer weicheren Oberflächenstruktur und einer stärker betonten naturweißen Färbung, womit es sich ideal für detaillierte Aquarelle oder Skizzen eignet. Andere Papiere wiederum, die mit einer intensiveren Oberflächenstruktur versehen sind, werden für die Reproduktion von Pastell- und Ölgemälden verwendet.
Drucke in limitierter Auflage
- Der Hauptvorteil beim Digital Publishing besteht darin, dass nach Bedarf gedruckt werden kann und somit eine Kostenreduzierung erzielt wird, denn Sie drucken ja nur das,was Sie auch in der jeweiligen Auflage verkaufen (Print on demand). Nicht verkaufte Drucke brauchen nicht gelagert zu werden und Sie haben die Möglichkeit, Ihre Arbeiten auf einfachste Weise in unterschiedlichen Größen und auf verschiedenen Papiersorten auszudrucken. Ihnen entstehen keine Probleme durch große Stückzahlen oder die erheblichen Kosten des Offset-Lithodrucks. Dies bedeutet, dass der Künstler, die Galerie oder der Herausgeber eine erheblich größere Kontrolle über den ganzen Prozess hat.
- Achten Sie darauf, dass Sie die Drucke Ihrer limitierten Auflage immer signieren, datieren und nummerieren.
- Für eine zusätzliche Authentizität und Sicherheit verwenden Sie das Hologrammsystem von Hahnemühle FineArt.
Archivfestigkeit
- Das Papier muss säurefrei sein und einen pH-Wert zwischen 7 und 9 aufweisen, um die strengen Anforderungen der FineArt Trade Guild für einen FineArt-Druck zu erfüllen.
- Mit der Einführung von Pigmenttinten hat der Markt für Giclée-Drucke in den letzten Jahren ganz neue Dimensionen angenommen. In einigen Fällen werden diese Tinten von Künstlern bevorzugt, da sie auf diesem Gebiet neue Standards gesetzt haben. (Im allgemeinen verwenden Desktop-Drucker Standardtinten, die zwar auf Farbstoffen basieren, aber auch schneller verblassen.)
- Große Fortschritte bei der Tintentechnologie von Geräteherstellern haben dazu beigetragen, die Standards auf das Niveau zu bringen, das sie heute erreicht haben.
Andere Punkte, die berücksichtigt werden sollten...
Es gibt eine Reihe von Dingen, die einem Giclée-Druck nach dem Drucken noch hinzugefügt werden können, um ihn zu verbessern. Hierzu zählen:
- Handübermalung – Malen auf dem Druck mit Farben, um bestimmte Farbtöne oder Strukturen zu betonen.
- Lackieren des Drucks mit Klarlack – Um die Oberfläche zu schützen oder ihr Glanz zu verleihen. Dies ist insbesondere beim Druck auf Leinwand sehr effektiv.
- Rahmen – Aufziehen und Rahmen Ihres Giclée-Drucks. Versuchen Sie einmal, direkt auf die Hahnemühle Art Boards zu drucken, denn diese können direkt gerahmt werden, ohne sie vorher aufziehen zu müssen.
- Bewerben Sie ihre Arbeit, indem Sie Flyer, Einladungen für eine Ausstellung und Postkarten der Arbeit auf dem gleichen Papier anfertigen.
- Denken Sie daran, ein erfolgreicher Giclée-Druck entsteht aus der richtigen Kombination von Medium, Tinte und Ausrüstung.
- Genießen Sie bei Ihren Experimenten und den endgültigen Drucken die Möglichkeiten für einen professionellen Qualitätsdruck, die Ihnen die Papiere des Digital FineArt-Sortiments von Hahnemühle zur Verfügung stellen.
Rev. 11.12 (03.11.2008)